«Eine Win-win-win-Situation»

Bei den Aktionären der VRSG kommt die Fusionsabsicht der VRSG und der Abraxas gut an – in den Medien wird sie vor allem vom Mitbewerber Abacus Research AG, der mit den St. Galler Gemeinden und der VRSG im Clinch liegt, kritisiert. Das VRSG | Magazin fragt nach.

Eduard Gasser, Peter Baumberger, als VR-Präsident und GL-Vorsitzender der VRSG gehören Sie zu den «Architekten» des Fusionsvorhabens. Weshalb streben Sie den Zusammenschluss an? Wem nützt er?

EDUARD GASSER: Die Digitalisierung ist in vollem Gang, auch bei der Verwaltung. Gemeinsam können wir die öffentlichen Verwaltungen über alle Ebenen hinweg optimal unterstützen. Der Zusammenschluss stärkt die Ertragskraft und Wettbewerbsfähigkeit beider Unternehmen nachhaltig und sichert Arbeitsplätze mit Perspektiven. Vom Zusammenschluss werden alle profitieren: Kunden, Mitarbeitende und Aktionäre – also letztlich die Bevölkerung. Wir schaffen eine Win-win-win-Situation.
PETER BAUMBERGER: Diese einmalige Chance müssen wir einfach packen! Dass wir gemeinsam die spezifischen Bedürfnisse aller drei staatlichen Ebenen durchgängig aufnehmen können, kommt gerade auch den Gemeinden zugute. Auf sie legen wir auch bei der Organisation des neuen Unternehmens ein besonderes Augenmerk. Als stellvertretender CEO werde ich einerseits das Integrationsprojekt leiten und anderseits eine eigene Geschäftseinheit «Verkauf und Beratung Gemeinden» führen.

In den Medien war zu lesen, die VRSG habe sich mit Investitionen übernommen und rette sich in die Arme der Abraxas. Wäre es nicht ehrlicher, von einer Übernahme der VRSG durch die Abraxas zu sprechen? 

EDUARD GASSER: Ganz und gar nicht. Die VRSG ist solide aufgestellt. Richtig ist: Wir befinden uns, wie wir das in den letzten Jahren wiederholt gesagt haben, in einem mehrjährigen Investitionszyklus. Das sind langfristige Investitionen in die Technologie, die sich ausbezahlen werden – das zeigen die Marktanteile, die wir laufend dazugewinnen. Die beiden Firmen ergänzen sich sowohl angebots- als auch kundenseitig optimal. Deshalb ist ein partnerschaftlicher Zusammenschluss zielführender – und so ist er auch zustande gekommen. Das wird unter anderem in der vorgesehenen Besetzung der neuen Führungsgremien abgebildet. Die Chemie stimmt. Wieso soll die öffentliche Hand privatwirtschaftlich organisierte IT-Unternehmen besitzen, die privatwirtschaftliche Anbieter konkurrenzieren?

 

PETER BAUMBERGER: Wir stellen uns dem Wettbewerb – kein Problem. Doch es gibt durchaus Interessen, die höher zu gewichten sind. Öffentliche Verwaltungen müssen sich schützen, um die Sicherheit ihrer sensiblen Daten zu gewährleisten. Unser neues, gemeinsames Unternehmen garantiert weiterhin die sichere Datenhaltung in der Schweiz. Aktionäre können ausschliesslich schweizerische Körperschaften des öffentlichen Rechts werden. So bleibt das Unternehmen in Schweizer Besitz, geschützt vor dem Zugriff oder Einfluss ausländischer Kräfte auf die Daten der Verwaltungen. Bei IT-Dienstleistern in privatem Besitz ist das nicht garantiert – denken Sie nur an die regelmässigen Meldungen, dieser oder jener internationale Gigant habe sich wieder eine IT-Firma einverleibt!

Was geschieht, sollte das Fusionsvorhaben scheitern?

EDUARD GASSER: Ich bin zuversichtlich, dass das Vorhaben gelingen wird. Falls nicht, würden die beiden Unternehmen wie bisher eigenständig ihren jeweiligen Strategien entsprechend weiterarbeiten. 

Zum Schluss: Wie wirkt sich der Zusammenschluss auf die Beschwerden von Abacus gegen die VRSG und die St. Galler Gemeinden aus? Will sich die VRSG damit aus der Affäre ziehen und das Ganze auf die Abraxas abwälzen? 

PETER BAUMBERGER: Die Beschwerden richten sich gegen die betroffenen Städte und Gemeinden als Kunden der VRSG und beschränken sich auf die FinanzSuite-Dienstleistungen. Daran ändert sich nichts. Die Verfahren laufen weiter wie bisher. Für die betroffenen Kunden ändert sich nichts, sie beziehen weiterhin die vertraglichen Dienstleistungen bei der VRSG – und danach beim fusionierten Unternehmen.